Ent-Stigmatisierung psychischer Krankheiten via Strafvollzug?!

Ich weiß, es war hier sehr lange recht ruhig – die Ausbildung, der Versuch, aus meinen vielen kurzen Blogtexten einen langen (Buch-)Text werden zu lassen und der viele Schnee haben mich ganz schön auf Trab gehalten in den letzten Monaten. Aber das, was ich am Montagnachmittag zufällig gelesen habe, beschäftigt mich zu sehr, um darüber zu schweigen. Um es schlicht zu formulieren: Ich bin entgeistert!

Werbeanzeigen

Stigmatisierung (Nomen): Ächtung, Diskriminierung 

Ent- (Präfix): drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass etwas entfernt wird

(Duden)

Entstigmatisierung bedeutet also, dass das Stigma, das etwas anhaftet, entfernt werden soll. Im Eingangstext des neuen Gesetzesentwurfs „Bayerisches Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz“, erklärt die Bayerische Staatsregierung, dass mit Hilfe dieser neuen Regelungen psychische Krankheiten und damit psychisch Kranke entstigmatisieren will.

Entsprechend liest sich auch der erste Teil des Gesetzes ganz gut: Die Staatsregierung will den Ausbau des psychiatrischen Auffangnetzes in Bayern vorantreiben, unter anderem plant sie auch den Aufbau eines jederzeit erreichbaren Notdienstes. Soweit so gut. Soweit vielleicht sogar sehr gut.

Weiterlesen „Ent-Stigmatisierung psychischer Krankheiten via Strafvollzug?!“

Liebe alle,

heute ist Heilig Abend. Ein besonderer Tag. Es ist Weihnachten. Die Familie kommt zusammen. Ich freue mich darauf.

Es ist auch der Tag der Geschenke. Vor ein paar Tage habe ich in der „stadtgottes“ einen interessanten Artikel zum Thema Geschenke gelesen. Den ich nun leider nicht mehr finde, die Zeitschrift ist wohl schon in den Papiermüll gewandert. Jedenfalls, was ich euch daraus mitgeben wollte:

Geschenke zeigen, dass man sich mit einer Person auseinandergesetzt hat, sie einem wichtig ist. Soweit nichts neues. Aber den nächsten Satz, finde ich, könnten wir uns alle ein wenig mehr hinter die Ohren schreiben, und damit ein bisschen Stress sparen: Wer jemanden beschenkt, erwartet nicht, dass er auch etwas geschenkt bekommt. Sondern er erwartet, dass sich der Beschenkte über das Geschenk freut!

Ich habe auch ein kleines „Geschenk“  für euch, dass ich sozusagen ganz unerlaubt, weiter schenke. Ich sehe euch gerade nicht, deswegen müsst ihr euch auch nicht unbedingt darüber freuen 🙂

Meine Therapeutin aus dem BOZM hatte mir das die Tage geschickt. Die liebe Geduld…

Über die Geduld

Man muss den Dingen
die eigene, stille
ungestörte Entwicklung lassen,
die tief von innen kommt
und durch nichts gedrängt
oder beschleunigt werden kann,
alles austragen – und
dann gebären…

Reifen wie der Baum,
der seine Säfte nicht drängt
und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,
ohne Angst,
dass dahinter kein Sommer
kommen könnte.

Er kommt doch!

Aber er kommt nur zu den Geduldigen,
die da sind, als ob die Ewigkeit
vor ihnen läge,
so sorglos, still und weit…

Man muss Geduld haben

Mit dem Ungelösten im Herzen,
und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben,
wie verschlossene Stuben,
und wie Bücher, die in einer sehr fremden Sprache
geschrieben sind.

Es handelt sich darum, alles zu leben.
Wenn man die Fragen lebt, lebt man vielleicht allmählich,
ohne es zu merken,
eines fremden Tages
in die Antworten hinein.

Rainer Maria Rilke

Ich möchte mich bei euch allen bedanken: Ihr gebt mir einen triftigen Grund zu Schreiben und das Schreiben ist das beste Beruhigungs-, Entspannungs- und Verarbeitungsmittel, dass sich mir in den letzten Monaten aufgetan hat. Danke für das Lesen, für eure Kommentare, und eure vielen lieben Worte, ob hier als Kommentar, oder persönlich. Jedes einzelne davon war wichtig und wertvoll für mich.

Ich wünsche euch allen frohe Weihnachtstage im gemütlichen Familienkreis, mit viel Lachen, viel Gesang, vielen Plätzchen, und viel Liebe. Passt auf euch auf!

Eure Sophie

Buch- und Filmtipps (nicht nur) für Depressive

Ich liebe Lesen. Ich liebe es, mich dabei in anderen Welten treiben zu lassen, andere Kulturen und Länder zu erkunden. Oder mich auch einfach nur abzulenken. Als ich Ende Juni plötzlich nicht mehr in der Lage war, zu lesen, realisierte ich einmal mehr, wie schlimm es um mich stand. Lesen war immer mein Rettungsanker gewesen. Liebeskummer, Trauer – ich hatte alles weggelesen.

Glücklicherweise hatte ich diese Fähigkeit schnell wieder zurück. Nur war die Auswahl der Bücher in den letzten Wochen nicht immer einfach. Ich mag keine Thriller und nur ausgewählte Krimis. Geschichten, in den es um glückliche Menschen, Beziehungen, etc. geht, gehen gerade einfach nicht. Nachdem ich nacheinander drei solcher luftig-leichter Liebesromane, von Cecilia Ahern über Jojo Moyes angelesen und spätestens nach dem zweiten Kapitel weggelegte habe, fiel mir ein anderes Buch, das mir eine Freundin geliehen hatte, in die Hand. Das Buch begann mit dem Selbstmord eines Jungen in einem norwegischen Kaff, aus der Sicht des Bestatters erzählt. Hervorragend! Das passte viel besser zu meiner Stimmung (und war auch weniger unrealistisch).

Hier werde ich euch in der nächsten Zeit also auch ein paar Buch- und Filmtipps mit euch teilen. Und keine Angst – sie werden garantiert nicht alle mit einem Selbstmord beginnen.

Danke

Ich bin total überwältigt von eurem Feedback. Knapp 3000 Visits an einem Tag – total irre.

Viele zollten mir ihren Respekt, dass ich das alles so offen zu Schreiben vermag. Ehrlich gesagt, fällt mir das bei den meisten Passagen sehr leicht. Denn ich schreibe nicht über mich. Nicht über die Sophie, die PR-Managerin war. Ich habe mich in den letzten eineinhalb Jahren selbst total verloren. Manchmal bin ich gar nicht mehr da – dann funktioniert mein Körper quasi allein. Manchmal bin ich da und stelle fest, dass ich gar nicht mehr weiß, was ich diesem Körper und Kopf zumuten kann. Alle automatisierten Abläufe und abgespeicherte Grenzbelastungen stimmen nicht mehr. Je öfter ich das aufgeschriebene lese, desto mehr wird es eine Geschichte, die ich erzähle. Ich erzähle nicht von mir. Ich bin gerade auf Urlaub. Manchmal schaue ich vorbei, so wie jetzt gerade. Manchmal bin ich aber ganz weit weg. Weil ich das alles um mich herum oder in mir drin nicht ertragen kann. Diese Momente sind gottseidank sehr selten geworden. Aber noch immer fühle ich mich unwohl mit diesem Körper, der bei der Seniorengymnastik Muskelkater bekommt und diesem Kopf, der nach einer Stunde Gespräch eine Pause braucht.

Irgendwann werde ich wieder ganz da sein und dann wird mir das Schreiben vielleicht nicht mehr ganz so leicht fallen. Aber in zwei Dingen bin ich mir sehr sicher: Dass mir das Schreiben hilft, diese Episode meines Lebens zu verarbeiten und, dass ich das Richtige tue. Irgendjemand muss doch mal den Mund aufmachen und allen da draußen erzählen, wie scheiße so ein Burnout wirklich ist. Dass man sich nicht einfach ein paar Monate von den Strapazen der ach-so-stressigen-Arbeit oder dem ach-so-stressigen-Privatleben erholt. Sondern, dass man sein Leben verliert. Das, was man geglaubt hat zu sein. Und dass es alles andere als ein Spaziergang ist, wieder annähernd zu dem Punkt zurückzukommen, an dem man aufgehört hat, man selbst zu sein. Ich bin seit zweieinhalb Monaten krankgeschrieben und seit fünf Wochen in klinischer Behandlung – und immer noch meilenweit weg von irgendeiner Art von mir selbst, die fähig wäre, ein normales Leben zu führen.

Ich habe in den letzten Wochen sehr viele verschiedene Menschen kennen gelernt. Und ich ziehe den Hut vor allen, die trotz einer dauerhaften psychischen Erkrankung immer wieder von neuem die Kraft finden, aufzustehen und die immer wieder versuchen, das Beste aus jedem Tag zu machen, egal wie schwer es gerade fallen mag. Und vor allen Dingen mit dem Wissen zu leben, dass da draußen verdammt viele Menschen sind, die einen nicht kennen, von der eigenen Geschichte und Persönlichkeit keine Ahnung haben, aber sich dennoch dazu in der Lage sehen, über einen zu urteilen.

Hut ab vor euch allen. Ihr seid Helden.

Everything is going to be fine in the end. If it’s not fine it’s not the end.

(Oscar Wilde)

Die letzten Monate und Jahre habe ich hier über den langen Weg vom Burnout zurück ins Leben geschrieben. Ich habe meine Geschichte erzählt, meine Gedanken hier sortiert und vieles – Links, Fotos, Zitate – gesammelt. Nach eineinhalb Jahren nun geht es mir wieder gut, ich stehe wieder im Leben. Es ist zwar alles anderes als zuvor, aber endlich alles gut.

Meine Geschichte findet ihr nach wie vor unter „Weiter im Text“ nachzulesen. Und weiter will ich auch gerne mit euch verschiedene Gedanken, Tipps und Links teilen, die die Themen psychische Gesundheit und Stress(-prävention) betreffen. Ich freue mich, wenn ihr mir weiterhin folgt und vor allem mehr denn je über eure Meinungen! Schön, dass ihr (immer noch) da seid!