Weltreise

Könnt ihr euch noch erinnern, dass ich mich ganz am Anfang geärgert hatte, nicht einfach alles hingeschmissen und die lang ersehnte Weltreise gemacht zu haben? Weiterlesen „Weltreise“

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Auf Kriegsfuß mit der Therapeutin

Heute war der erste Dienstag ohne Burnout-Gruppe. Ein bisschen Ablenkung durch den Hengst hätte ich gerade heute allerdings gut gebrauchen können. Wenigstens war mein Einzelgespräch heute schon um 13.00 Uhr. Zuvor war Wassergymnastik, das war gut, sonst wäre ich wohl den ganzen Vormittag nervös im Kreis gelaufen.

Ich wusste, mich würde heute die endgültige Diskussion in Sachen Eingliederung erwarten. Beziehungsweise, ich hoffte es. Ich hatte keine Ahnung, was ich machen würde, wenn sie mich weiter zwingen wollten.

Wie es mir gehe? Naja. Nervös, zittrig. So schlecht wie seit Wochen nicht mehr. Ich sagte auch direkt, dass ich am Wochenende zum ersten Mal seit Monaten Suizidgedanken gehabt hatte. Meine Liste an Argumenten brach regelrecht aus mir heraus. Und auch, dass ich langsam das Gefühl hatte, dass Ihnen die Krankenhausstatistik wichtiger war als ich.

Sie reagierte professionell, gefasst. Aber ich merkte, dass ich sie damit ziemlich getroffen hatte. Das tat mir fast schon leid.

Das wäre natürlich nicht der Fall, entgegnete sie. Vielmehr schilderte sie mir nun Ihre Sicht der Dinge. Ich war eben erst aus einer schweren Depression heraus. Das, was ich am dringendsten bräuchte, wäre ein geregelter Alltag. Und das hieße in meinem Fall eben auch, wieder zur Arbeit zu gehen. Außerdem wäre die Belastung bei einer Eingliederung sowieso erstmal recht gering.

Und außerdem hätte sie den Eindruck, dass ich einfach eine riesige Angst hatte vor allem, was mit meinem Job zu tun hatte. Und da wäre Weglaufen – so wie ich es nun vorhatte – die allerschlechteste Lösung. Selbst wenn ich nicht dauerhaft bei dem Unternehmen oder gar in der Branche bleiben würde, das würde sie mir ja gar nicht verwehren, hätte ich während einer Eingliederung die Möglichkeit, mit allem Frieden zu schließen und quasi im Guten zu gehen. Und vor allem könnte ich meine Belastungsresistenz Schritt für Schritt prüfen. Bei einem neuen Job müsste ich sofort auf 100% sein.

Meine erste Reaktion war natürlich, nein, nein, will ich nicht, kann ich nicht, was für ein Blödsinn. Ich könne einfach nicht. Ich kann ja noch nicht einmal mit einer Freundin kochen, ohne dass ich mich dann hinterher zwei Stunden hinlegen muss. Wie soll ich da auch nur eine Eingliederung überstehen?

Den zweiten Termin bei der Sozialtherapeutin sollte ich trotzdem wahrnehmen, ordnete sie an. Whatever.

Die Therapiestunde war wohl die hitzigste, die ich je hatte. Eine der wenigen, in der ich nicht heulte. Diesmal nämlich tat ich das, was ich in diversen Situationen, die allesamt miteinander zu meiner heutigen Lage geführt haben, nicht getan hatte: Ich stand für mich ein.

Trotzdem blieb die eine Aussage in meinem Kopf hängen: Lief ich davon?