Buchtipp: Alle Toten fliegen hoch – Amerika

Und einmal mehr Tote. Aber immerhin erst in der Mitte des Buches. Auch wenn es das eigentlich ganz zentrale Thema des Romans von Joachim Meyerhoff ist, tritt es nicht stark hervor. Man liest fast ein bisschen drüber – genauso wie die Hauptfigur weiterlebt, und nicht genau hinsehen will.

Die Hauptfigur, ein Ich-Erzähler, 17 Jahre alt, aufgewachsen auf einem Psychiatriegelände als Sohn des Direktors der Klinik, bricht auf, er lässt die norddeutsche Provinz hinter sich und tauscht sie für ein Austauschjahr gegen die amerikanische ein. Sachlich, reflektiert manchmal ironisch, trocken, sehr oft sehr witzig und trotzdem zwischen den Zeilen sehr behutsam berichtet er über dieses Jahr.

Das Buch ist das erste in einem mehrteiligen Zyklus von Meyerhoff. Es ist auf seine nüchterne Art sehr fesselnd und nimmt einen mit in die Weiten Wyomings und die enge der norddeutschen Kleinstadt, in „The German“s Leben und lässt gleichzeitig die eigene Jugend, den eigenen Aufbruch, wieder aufleben. War das nicht die aufregendste Zeit?

Ein unterhaltsames Buch, das sich leicht und abwechslungsreich liest ohne dabei auch nur im Mindesten seicht zu werden: Unbedingt Lesen!

 

 

Werbeanzeigen

Buchtipp: Sophia oder Der Anfang aller Geschichten

„Sophia“ stand schon länger auf meiner Liste der Bücher, die ich euch gerne ans Herz legen würde. Aus gegebenem Anlass schreibe ich heute darüber.

Rafik Schami, der 1946 in Syrien geboren wurde und seit 1971 in Deutschland lebt, erzählt in seinem neuesten Werk nicht nur eine bewegende Geschichte, sondern er berichtet – in Nebensätzen und persönlichen Schicksalen – vom Wandel Syriens in den vergangenen 50 Jahren von einem freiheitlichen Land, in dem Christen und Muslime Haustür an Haustür wohnen – vielleicht nicht frei von Konflikten, aber doch im Großen und Ganzen friedlich, hin zu einer Diktatur. Was wissen wir denn schon groß von dem Land, das unsere Nachrichten momentan beinahe beherrscht?

Schami erzählt in einem Buch die ineinander verwobenen Lebensgeschichten seiner vier Hauptcharaktere – zwei Männer und zwei Frauen – die vor allen Dingen eines auszeichnet: Eine Liebe, die Grenzen überwindet und Leben rettet.

„In den arabischen Ländern wird es keine Veränderung geben, solange nicht die Struktur der Sippe zerschlagen wird, die uns körperlich und geistig versklavt. Die Sippe baut auf Gehorsam und Loyalität auf und pfeift auf Demokratie, Freiheit oder die Würde der Menschen. Sie durchdringt und zersetzt alles wie ein Pilz.“  („Sophia“, R. Schami, S. 45)

Buchtipp: Der Architekt des Sultans

Diesmal geht es in das spätmittelalterliche Istanbul, in die Zeit der Sultane, ihrer Haremsdamen, der großen Baumeister und Elefantentreiber.

Jahan landet mit seinem weißen Elefanten im Palast des osmanischen Sultans. Da der Junge große Begabung zeigt, wird er zum Lehrling des berühmten Baumeisters Sinan, einer reellen historischen Persönlichkeit („Michaelangelo der Osmanen“). Die türkische Starautorin Elif Shafak begleitet Jahan sein ganzes Leben durch die Irrungen und Wirrungen am Hof, durch Kriege hindurch, durch Intrigen und Liebesgeschichten. Dabei erschafft sie ein phantastisches Märchen, das zwischen historisch verbrieften Ereignissen und Persönlichkeiten sowie ihrer großartigen Fabulierkunst einen faszinierenden Bogen spannt. Sie entführt ihre Leser regelrecht in das Istanbul des 16. Jahrhunderts – bis man selbst nachts die Tiere des Palastzoos oder den Lärm der Baustellen hört. Gleichzeitig ist das Buch ein unterhaltsames Lehrstück über den größten osmanischen Baumeister. Am besten hält man bei der Lektüre einen Stift bereit: Neben interessanten Fakten offenbart Shafak in dem 600-seitigen Werk zahlreiche Gedanken, die es wert sind, niedergeschrieben und an die Wand gepinnt zu werden.

Lasst euch von den 600 Seiten nicht abschrecken: Das Buch ist keine schwere Lektüre und der Schreibstil von Shafak, wie die Bauwerke Sinans sehr schmuckreich und ornamentenhaft, schenkt einem immer wieder von neuem eine im wahrsten Sinne des Wortes phantastische Auszeit vom Alltag. Und außerdem ist die Hardcover-Version auch ein wunderschönes, dekoratives Buch, das sich im Regal gut macht.

Buchtipp: Ein Mann namens Ove

Und schon wieder haben wir es mit Selbstmord zu tun. Ove hat vor einem halben Jahr seine Frau verloren, und nun wird ihm auch noch gekündigt. Kein Grund also, seine Frau noch länger warten zu lassen. Doch er hat kein Glück. Jeden Tag versucht er aufs Neue, endlich wieder bei seiner geliebten Sonja zu sein, aber keine Chance: Er hat keine Zeit zu sterben. Eine zerfledderte Katze (nein, es ist nicht seine!) und die neue Nachbarsfamilie mit zwei naseweisen Gören, einer ausländischen und noch dazu schwangeren Mutter und einem IT-Berater-Nichtsnutz zum Vater lassen ihm einfach keine Zeit dazu.

Ove wächst dem Leser ans Herz. Der Schwede Frederik Backmann erzählt in seinem Debüt eine sehr tragische, oft zu Tränen rührende Geschichte auf eine sympathische, herzerwärmende und unglaublich witzige Art. Eine Empfehlung für jeden, ob jung, ob alt, ob Mann, ob Frau, ob Gerne-Leser oder Muss-das-sein-Leser. Der Titel hat die Bestsellerlisten nicht von ungefähr erobert!

Buchtipp: Das Lügenhaus

Und um euch nicht auf die Folter zu spannen: Das Buch, das mit dem Selbstmord beginnt, ist „Das Lügenhaus“ der norwegischen Bestsellerautorin Anne B. Ragde. Ein eigentlich völlig trostloses Setting, die Protagonisten ein Bestatter, ein Schweine-Bauer, ein homosexueller Dekorateur und die uneheliche, erwachsene Tochter des Bauern. Trotzdem habe ich das Buch kaum aus der Hand legen können. Die Autorin erweckt diese norwegische Tristesse zum Leben und die schrulligen Hauptpersonen wachsen einem richtig ans Herz. Ich habe eben, als ich nochmal überprüfte, ob ich Ragde richtig geschrieben habe, festgestellt, dass „Das Lügenhaus“ der erste Band der Neshov-Trilogie ist. Teil zwei und drei stehen hiermit auf meiner Einkaufsliste.

PS: Warum zum Amazonas reisen, wenn es auch in deiner Stadt Bücher gibt?

Buch- und Filmtipps (nicht nur) für Depressive

Ich liebe Lesen. Ich liebe es, mich dabei in anderen Welten treiben zu lassen, andere Kulturen und Länder zu erkunden. Oder mich auch einfach nur abzulenken. Als ich Ende Juni plötzlich nicht mehr in der Lage war, zu lesen, realisierte ich einmal mehr, wie schlimm es um mich stand. Lesen war immer mein Rettungsanker gewesen. Liebeskummer, Trauer – ich hatte alles weggelesen.

Glücklicherweise hatte ich diese Fähigkeit schnell wieder zurück. Nur war die Auswahl der Bücher in den letzten Wochen nicht immer einfach. Ich mag keine Thriller und nur ausgewählte Krimis. Geschichten, in den es um glückliche Menschen, Beziehungen, etc. geht, gehen gerade einfach nicht. Nachdem ich nacheinander drei solcher luftig-leichter Liebesromane, von Cecilia Ahern über Jojo Moyes angelesen und spätestens nach dem zweiten Kapitel weggelegte habe, fiel mir ein anderes Buch, das mir eine Freundin geliehen hatte, in die Hand. Das Buch begann mit dem Selbstmord eines Jungen in einem norwegischen Kaff, aus der Sicht des Bestatters erzählt. Hervorragend! Das passte viel besser zu meiner Stimmung (und war auch weniger unrealistisch).

Hier werde ich euch in der nächsten Zeit also auch ein paar Buch- und Filmtipps mit euch teilen. Und keine Angst – sie werden garantiert nicht alle mit einem Selbstmord beginnen.