MBSR-Kurs, Tag 3

Was sind eigentlich Grenzen? Und wo sind Grenzen? Tun sie mir gut? Oder engen sie mich ein?

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Nach zwei Wochen habe ich es langsam geschafft, den vielen MBSR-Hausaufgaben Raum in meinem Alltag zu schaffen. Body-Scan, Achtsamkeitsyoga, viele kleine Aufgaben – das braucht Raum. Aber ich selbst brauche eben Raum in meinem Leben, so einfach ist das. Es war sogar erstaunlich einfach, Platz für all diese neuen, manchmal wirklich zeitintensiven Aufgaben zu finden. Ich bin nach zwei Wochen im Kurs angekommen, würde ich sagen.

In der dritten Kursstunde beschäftigten wir uns mit Grenzen – in der Realität, im Kopf, mit Grenzen, die unsere Bedürfnisse beschützen und mit Grenzen, die uns einengen.

Der erste Typ Grenzen – das sind vor allen Dingen die, die wir gerne mal überschreiten. Ich bin zwar eigentlich hundemüde, aber noch ein Bier trinken gehen oder unbedingt Staubsaugen? Klar. Ich will eigentlich nicht vom Chef mit meinem Spitznamen gerufen werden, aber deswegen ein Fass aufmachen? Nein, lieber die Grenzüberschreitung dulden. Mit diesen Grenzen habe ich mich viel, viel weiter oben im Text schon einmal beschäftigt: Grenzen setzen

Zum zweiten Typ Grenzen will ich gar nicht viele Worte verlieren. Lieber möchte ich euch einen kleines Gedicht mit auf den Weg geben, dass ich mir selbst gern ins Gedächtnis rufe, wenn ich auf Grenzen stoße:

There is freedom waiting for you,
On the breezes of the sky,
And you ask „What if I fall?“
Oh but my darling,
What if you fly?
― Erin Hanson

Grenzen existieren nicht nur auf Landkarten, sondern vor allen Dingen in unseren Köpfen und haben vielerlei Gestalt. Ist die Kante des Sprungturms im Bild oben für euch eine Grenze? Oder ist sie vielmehr ein Sprungbrett in Richtung Horizont?

Macht euch auf die Suche nach euren eigenen Grenzen. Wenn ihr sie gefunden habt, beobachtet und hinterfragt sie: beschützen oder begrenzen sie euch? Die, die euch begrenzen, lasst los, werft sie vom Sprungturm, mit Anlauf! Aber die, die euch beschützen, achtet sorgsam.

MBSR-Kurs, Tag 2

Alles eine Frage der Perspektive!

Ist die Welt wirklich so, wie ich sie sehe?

Diese Frage habe ich mir vor meinem Burnout nie gestellt. Natürlich war die Welt so, wie ich sie sah, sie war ja schließlich da. Die Blumen gelb, der Himmel blau, die Berge hoch und das Meer weit. Außerdem: Was ich fühlte, war wahr. Und wenn mich jemand beleidigt hatte, dann hatte mich jemand beleidigt. Wenn ich aus einer Situation keinen Ausweg mehr sah, gab es keinen Ausweg.

Aber wie viele Jahrtausende haben die Menschen auch geglaubt, die Erde sei das Zentrum des Sonnensystems? Dabei dreht sie sich doch!

Die zweite Einheit des MBSR-Kurses hat mir eines meiner großen „Learnings“ meiner Burnout-Therapie wieder deutlicher in Erinnerung gerufen: Dreht sich die Welt um mich? Oder drehe ich mich um die Welt? Ist die Kassiererin wirklich unhöflich zu mir gewesen? Oder hat sie einfach einen schlechten Tag und ihre Laune gar nichts mit mir zu tun? Nur weil ich erwartet habe, dass die anderen von sich aus anbieten, abzuspülen, heißt das ja nicht, dass die anderen sich je dazu verpflichtet gefühlt hatten. Ich habe ja schließlich freiwillig angeboten, für alle zu kochen.

Alles eine Frage der Perspektive

Alles eine Frage der Perspektive: Ist das Schiff im Fjord wirklich so winzig, wie es gerade wirkt?

Ich sehe die Welt so wie ich gelernt habe, sie zu sehen. Wie denn auch sonst, ich kenne und kann es gar nicht anders. Es wird auch immer so sein, dass ich die Welt sehe, wie ich bin. Wer kennt das denn nicht? Bin ich gestresst, müde und schlecht gelaunt fallen mir die schönen Dinge weniger auf, dafür fällt alles Negative viel mehr ins Gewicht. Aber wie schön kann dann die haargenaue gleiche Welt plötzlich sein, nur weil ich verliebt bin?

Ich kann nicht verhindern, dass ich die Welt sehe, wie ich bin. Aber ich kann daran arbeiten, mir genau das immer wieder bewusst zu machen und meinen Blickwinkel zu erweitern, meinen Autopiloten mal ausschalten.

Wenn ich daneben stehe, ist ein Kreuzfahrtschiff unendlich riesig. Von oben, vom Fjord aus betrachtet, recht winzig. Was ist nun wahr? Beides – es ist nur eine Frage der Perspektive.

 

MBSR-Kurs, Tag 1

Achtsam mit Rosinen und dem eigenen Körper umgehen – und ganz schön viele Hausaufgaben!

Rosinen! Bäh!

Entweder man liebt Rosinen oder man hasst sie. Ich hasse sie. Aber gut, das hilft mir gerade auch nichts – erwartet doch die Kursleiterin, dass ich mich trotzdem, achtsam, diesen drei Rosinen da vor mir nähere. Einer nach der anderen.

Ich soll die erste ganz genau betrachten. Minutenlang. Wie ein kleines glänzendes Gehirn sieht sie aus. Eigentlich ganz hübsch. Dann daran riechen. Ich schnuppere, drehe und wende sie. Nach viel riecht sie nicht. Danach soll ich tatsächlich dran hören. Als ob eine Rosine sänge… sie singt nicht, nein. Aber sie verändert den Luftzug zu meinem Ohr und damit irgendwie auch ein bisschen meine Wahrnehmung. Rechts mehr wie links. Schließlich soll ich sie natürlich doch in den Mund nehmen. Also, ich darf – aber wenn ich mich meiner Selbstfürsorge entsprechend dafür entscheide, sie nicht zu essen, ist das auch okay. Aber wer immer tut was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist, also nehme ich die Rosine in den Mund. Besser: ich lege sie einfach auf meine Zunge. Ich schmecke gar nicht so viel. Vor allen Dingen ist sie nicht so süß wie erwartet. Dann ertaste ich sie mit der Zunge: die kleinen Rosinen-Hirnwindungen fühlen sich witzig an. Schließlich breitet sich langsam ein Geschmack in meinem Mund aus. Es schmeckt schon nach Rosine, aber nur ganz sanft – nicht so aufdringlich pappsüß, wie sonst alles. Eigentlich ganz gut denke ich, als ich sie schlucke.

Die zweite esse ich ein wenig schneller. Auch okay. Die dritte so wie immer. Bäh! Rosinen schmecken einfach nicht!

Das war, kurz gefasst, eine der zentralen Übungen der ersten Kursstunde. Nach einem Kennenlernen durfte wir uns eben mit „Anfängergeist“ an unseren drei Rosinen versuchen. Ich war überrascht, wie viel Neues ich an diesen Rosinen, an etwas, was ich schon hunderttausende Male in der Hand und im Mund gehabt hatte, entdeckte. Verrückt.

So, wie wir die Rosine neu entdeckt hatten, lud uns die Kursleiterin dann ein, unseren Körper neu zu entdecken. Auf dem Rücken liegend oder sitzend, in bequemer Kleidung, führte sie uns durch einen Body-Scan. Auf ihre Anleitung hin wanderten wir dann vierzig Minuten mit unserer Aufmerksamkeit durch den eigenen Körper: Wie liegt die Ferse auf? Was spüre ich in den Zehenspitzen? Kälte? Wärme? Feuchtigkeit? Einen Bewegungsimpuls? Schmerz? Nichts? Wie geht es meinem Knie gerade? Was spüre ich dort? Ziel dieser Übung ist es, den eigenen Körper, der uns Tag für Tag durch unser Leben trägt und meistens nur beachtet wird, wenn er nicht mehr richtig funktioniert, wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken – sich selbst wieder besser zu spüren. Und, Ziel zwei – es zu üben, auch unangenehme Situationen auszuhalten: Den verspannten Nacken zu spüren, ohne etwas dagegen zu tun. Oder den Bewegungsimpuls, und wenn er noch so groß ist, vorübergehen zu lassen.

Zugegeben, die Rosinen haben bei mir besser funktioniert. Ich bin beim Body-Scan immer wieder weggedöst und konnte mich kaum konzentrieren. Aber dafür habe ich eine Woche Zeit zum Üben. Da der MBSR-Kurs mir vor allem im Alltag helfen soll, muss ich die Achtsamkeit – logisch – auch in meinen Alltag integrieren. Diese Woche: täglich einen Body-Scan und achtsam essen.

MBSR – Was ist das eigentlich?

Mit Achtsamkeit und Meditation weniger Stress? Jon Kabat-Zinn behauptet, dass es funktioniert. Ich probiere das jetzt aus. Wir werden ja sehen, ob er tatsächlich Recht hat.

Zum ersten Mal hörte ich in der Psychosomatik davon: Fast alle Burn-out-Patienten (also eigentlich alle außer mir, aber ich war offiziell ja Angstpatientin) nahmen an diesem Kurs teil. Sie erzählten von ewigem Geh-meditieren und Schokolade im Mund schmelzen lassen. Komisch. Ich interessierte mich nicht weiter dafür, bis ich ein paar Wochen später zufällig wieder – zum zweiten Mal nach meiner Achtsamkeits- und Genusstherapie in der Psychiatrie – auf Jon Kabat-Zinn stieß. Kabat-Zinn ist nicht der Erfinder, aber doch der Begründer der Achtsamkeit (englisch: Mindfulness).

MBSR, oder ausgeschrieben Mindfulness Based Stress Reduction (deutsch: Stressbewältigung durch Achtsamkeit) ist ein von Jon Kabat-Zinn an der University of Massachusettes entwickeltes Programm. In acht Wochen lernen Teilnehmer verschiedene Techniken, die vor allem aus der buddhistischen Zen-Meditation und dem Yoga entliehen sind. Im Zentrum steht das bewusste Sein: Die Dinge, die man tut, aufmerksam tun. Die Situationen, die einem im Hier und Jetzt empfangen, annehmen, ohne sie zu bewerten oder ändern zu wollen. Den Autopiloten, der uns täglich durch unser Leben steuert, ohne, dass wir darüber nachdenken, was wir denn da eigentlich gerade tun, bewusst ausschalten. Am Ende des Kurses sollen die Teilnehmer in der Lage sein, durch die gezielte Lenkung der eigenen Aufmerksamkeit Stress zu reduzieren.

Im Verlauf meiner eigenen Therapie habe ich mehr und mehr festgestellt, dass mir Achtsamkeit, also das bewusst Tun und Spüren, gerade in Momenten, in denen mein Kopf tobte, immer wieder verlässlich geholfen hat, zur Ruhe zurückzufinden. Etwas mehr als zwei Jahre ist meine letzte Therapiesitzung nun her. Im nächsten Jahr steht das Staatsexamen an und ich merke im Moment, dass ich die viele Ruhe und die Gelassenheit, die mich größtenteils durch die beiden vergangenen Jahre getragen hat, wieder ein wenig verliere. Ich muss wieder etwas für mich tun, beschloss ich, bevor ich mitten im Stress stecke und es zu spät. Dieses „etwas“ ist ein MBSR-Kurs. Der läuft seit letzter Woche – und, um mir selbst auch ein wenig mehr bewusst werden zu lassen, wie es mir damit eigentlich geht, werde ich euch hier und auch auf Instagram (@soph.blau) ein wenig an meinen Erfahrungen teilhaben lassen.

Chile

Vergangene Woche war ein Erdbeben in Chile, nachts. Es war relativ heftig, es gab sogar Tote. „Y la gente se levanta y va a trabajar si nada hubiera sido“, sagte ein Chilene einer chilenischen Tageszeitung. Und am nächsten Tag stehen die Leute auf und gehen arbeiten, als wenn nichts gewesen wäre.

Die meiste Zeit während meiner Weltenbummelei habe ich in Südamerika verbracht, in Chile habe ich ein halbes Jahr gewohnt. Und war manchmal entgeistert, wie wenig vorausschauend dort gearbeitet, gedacht und gelernt wird. Das mag jahrhundertealte Ursprünge haben, vielleicht, weil es in den weitesten Teilen Südamerikas keinen Winter gibt, wie wir ihn kennen, und die Südamerikaner entsprechend nie vorausplanen mussten. Vielleicht ist es der deutlich intensivere Glaube, der die Menschen dort trägt, oder vielleicht schlichtweg eine Art Fatalismus – das nächste Erdbeben kommt so oder so, also lass uns jetzt keinen Kopf drüber machen. Ich weiß es nicht. Davon mögen wir alle hier entgeistert sein. Und dennoch:

Südamerika sprüht vor Lebensfreude. Ich glaube: Nicht trotz, sondern gerade deshalb.

Die meisten Menschen dort haben sich die Gabe bewahrt, im Hier und Jetzt zu leben. Nach ökonomischen Maßstäben zu urteilen, geht es den meisten Menschen dort schlechter als uns Europäern. Sie haben von allem weniger. Aber: Sie leben viel mehr im Hier und Jetzt als wir. Denken nicht andauernd Morgen. Morgen könnte das nächste Erdbeben sein und alles zerstören. Oder aber: morgen ist genauso gut oder sogar noch besser als heute. Aber selbst das wäre kein Grund, heute nicht zu genießen, zu geben, zu feiern.

Das Zwieback-Ritual

Montagmorgen war ich wie immer hundemüde und völlig erschöpft aus einem sehr unruhigen Schlaf aufgewacht. Wiegen, Blutdruck messen, Tabletten holen, Therapieplan holen, frühstücken, beim Frühstück überlegen, welche Therapien ich heute mitmachen wollte bzw. musste. Wie meistens wurden es montags die Allgemeine Gymnastik – immer noch auf Seniorenniveau, dann das Walken / Intervalltraining nach der Visite um viertel nach elf. Nach dem wie immer bescheidenen Mittagessen stand montagnachmittags um 15.00 Uhr AGT, die Achtsamkeits- und Genusstherapie auf dem Plan. Das hatte sich, neben Yoga und Atemübungen am Donnerstagmorgen, sehr schnell zu meiner Lieblingstherapie gemausert. Die AGT-Stunden waren inhaltlich angenehm, die Gruppe war sehr angenehm und auch die Therapeutinnen verbreiteten eine angenehme, harmonische Atmosphäre. Nach der ersten Stunde, in der wir uns dem Geruchssinn und den Genussregeln widmeten, nahmen wir uns nach und nach die einzelnen Sinne vor. Dabei sollten wir unsere Genussfähigkeit wieder entdecken, Achtsamkeit üben und Selbstfürsorge lernen.

Heute war der Hörsinn an der Reihe. Auf dem kleinen Tisch, auf dem immer die Elemente unserer Sinnes-Entdeckungsreise aufgebaut waren, lagen diesmal Orff-Instrumente wie Klangstäbe, ein Regenmacher, Kastagnetten, aber auch Alltagsgegenstände wie Ketten, Besteck, und so weiter. Wie immer sollten wir uns intensiv, achtsam, also so, als ob wir dieses Geräusch zum allerersten Mal in unserem Leben hören würden, mit denDingen beschäftigen. Der Regenmacher, das leise, tiefe Rasseln der Kette oder das Klackern der Murmeln im Beutel waren angenehm für mich. Alles andere war Lärm. Unbewusst rückte ich immer weiter in den Hintergrund, bis ich kaum mehr Teil des Kreises war. Mir war das alles zu laut. Die Geräusche taten in den Ohren weh. Ich merkte das auch in der Feedbackrunde, in der wir unsere Erfahrungen mit den „neuen“ Sinneserlebnissen teilten, an. Ich bin momentan sowieso sehr, sehr geräuschempfindlich. Und das merke ich auch jetzt. Mir ist das beinahe alles zu laut und unangenehm. Dennoch entschloss ich mich, weiter in der Gruppe zu bleiben, die Stunde war sowieso beinahe vorbei. Es fehlten nur noch der Kreativteil und die Abschlussmeditation.

Wir setzten uns also alle an den Tisch, an dem wir immer bastelten. Diesmal erhielt jeder von uns fünf DinA6-Blätter und auf dem Tisch stellte die Kunsttherapeutin eine Menge Wachsmalkreiden bereit. Ich habe nun fünf verschiedene Geräusche vorbereitet, die ihr malen sollt. Malt einfach auf je eines der Blätter, was für euch zu diesem Geräusch passt. Eine Form. Ein Bild. Was ihr möchtet. Die Geräusche waren: Wellenrauschen. Vogelgezwitscher. Das Muhen von Kühen. Klassische Orchestermusik. Das Typische Freibad- und Spielplatz-Stimmen-Gewirr. Bei dem Stimmengewirr waren wir uns relativ einig, dass das unangenehm war. Bei allen anderen Geräuschen fiel ich sehr aus dem Rahmen. Das Rauschen war viel, viel zu laut, genauso wie das Muhen. Das Gezwitscher einfach nur grell, so dass ich es kaum aushielt und mir nach wenigen Sekunden die Ohren zuhielt. Auf mein Blatt malte ich orangenfarbene Blitze. Ebenso das Orchester. Au. Ich hielt es nicht aus. Mein Kopf explodierte beinahe. Das war das erste Mal, dass ich in der abschließende Feedbackrunde feststellen musste, dass es mir deutlich schlechter ging als zuvor. Allen anderen ging es wie immer besser oder zumindest nicht schlechter nach dieser eutyhmen (=was der Seele gut tut) Therapie. Zum Abschluss las uns die Therapeutin noch eine kurze Geschichte vor:

 

Der Weg des Weisen

Ein weiser, alter Mann, der eine ungeheure Ruhe ausstrahlte, wurde von einem anderen geplagten Menschen gefragt:

„Wie machst du das, immer so ruhig zu sein?“

„Ganz einfach“, antwortete der Weise, „wenn ich schlafe, schlafe ich, wenn ich aufstehe, stehe ich auf, wenn ich gehe, gehe ich, wenn ich esse, esse ich, wenn ich arbeite, arbeite ich, wenn ich höre, höre ich, wenn ich spreche, spreche ich.“

„Wie, das verstehe ich nicht! Das tue ich doch auch. Trotzdem bin ich so nervös!“, antwortete der andere.

„Nein, du machst es anders: Wenn du schläfst, stehst du schon auf, wenn du aufstehst, gehst du schon, wenn du isst, arbeitest du schon, wenn du hörst, sprichst du schon!“

 

Nach der anstrengenden Stunde brauchte mein Kopf erst einmal Ruhe. Ich ging alleine im Wald spazieren, ganz darauf bedacht, nur zu gehen, und den Wald zu riechen, die Sonne, den Wind zu spüren. Es war zwar schon ein wenig kühler, aber immer noch ausreichend warm, um im T-Shirt und in der kurzen Hose draußen zu sein. Beim Abendessen genossen Johanna, Steffi und ich dann unser tägliches kulinarisches Highlight: Zwieback mit Butter. Man konnte zum Abendessen nicht nur Brot, Semmeln, oder Knäckebrot bestellen, sondern auch Zwieback. Und tatsächlich lieferte der Essenservice täglich ein paar Orginal-Brandt-Zwiebäcke an! Mmmmh. Wie früher daheim. Waren die gut!! Man merkt, unsere Ansprüche ans Essen waren nach zwei Wochen in dieser Klinik sehr weit gesunken… Morgen würden wir uns zur Abschiedsfeier Pizza bestellen!

Nachdem wir unser Zwiebackritual beendet hatten, schnappten wir uns meine Slackline und gingen noch einmal hinaus in den kleinen Park vor dem Klinikeingang. Um acht war wie immer Zapfenstreich, um neun standen wir in der Drogenschlange für die Schlaftabletten, um zehn die Schotten dicht. Morgen war der letzte Tag mit meiner „Gang“. Die vorletzte Nacht mit Johanna im Zimmer. Hoffentlich würde das Bett nicht gleich wieder belegt werden.