Aufklärung in den Lehrplan!

Aktuell läuft eine Petition, die fordert, dass ab sofort auch Aufklärung über psychische Krankheiten in den Schule stattfinden soll.

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Einige Abiturienten aus dem Süden Münchens haben nicht nur einen vielbeachteten Film über Depression gedreht („Grau ist keine Farbe“), sondern auch eine Petition gestartet: Die Aufklärung über psychische Krankheiten wie eben die Depression soll fester Bestandteil des Lehrplans werden! Diese Woche sprachen sie deshalb vor einem Ausschuss des Bayerischen Landtags. Ich glaube, ich brauche nicht zu erwähnen, dass ich das mehr als gut finde.

Wer die Petition unterstützen will klickt, einmal bitte hier:

Link zur Petition

Und wer mehr darüber lesen will, klickt bitte hier:

Link zur Website des Filmprojekts „Grau ist keine Farbe“

Link zum Artikel des Bayrischen Rundfunks zur Ausschusssitzung des Landtags

Buchtipp: Sophia, der Tod und ich

Was passiert eigentlich, wenn das Sterben mal so richtig schief geht? Ganz einfach: der Tod bleibt da.

Lang, lang ist es her, dass ich hier den letzten Buchtipp veröffentlicht habe. Weil ich leider nicht mehr so viel zum Lesen komme, seit mich die Ausbildung beschäftigt, weil die Bücher, die ich gelesen habe, nicht wirklich empfehlenswert waren und weil ich sage und schreibe das komplette vergangene halbe Jahr mit der spanischen Originalversion von „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ verbracht habe…

Jedenfalls habe ich vergangenes Wochenende im unaufgeräumtesten Bücherregal aller Zeiten bei einem Kumpel eben Thees Uhlmanns „Sophia, der Tod und ich“ entdeckt. Obwohl nicht absehbar war, dass ich im nächsten halben Jahr – danke, Staatsexamen – wirklich Zeit haben würde zu Lesen, lieh ich es aus. Prompt wurde ich in der darauffolgenden Woche krank und war heilfroh, dass da nun immerhin noch ein Buch in meinem Regal stand, das weder Fachliteratur noch bereits gelesen war.

Uhlmann liest sich leicht und locker. Er nimmt einen direkt mit in die Welt seines Ich-Erzählers. Und der sinniert über Kaffeeduft, alte Polen, Fußballspiele und eine alte Liebe, an was man eben so denkt – bis plötzlich der Tod vor ihm steht.

Doch das Sterben geht schief. Gründlich sogar – und so bleibt nicht nur der Protagonist vorerst am Leben, sondern er behält den Tod an seiner Seite. Mitten im Leben. Schönschönschön? Ja nu, erklärt ihr mal eurer Ex-Freundin, eurer Mutter und dem eigenen Sohn, den ihr seit sehr, sehr langer Zeit nicht gesehen habt, dass das neben euch der Tod ist. Immerhin: Der Tod ist sehr freundlich und kommt gut an.

Uhlmanns Geschichte ist von vorn bis hinten verrückt, manchmal tiefenphilosophisch oder traurig, aber gleich im nächsten Moment wieder urkomisch und einfach schön. Sophia, der Tod und ich – 318 Seiten Lebensfreude.

Die große Pause

Auch wenn wir aus der großen Pause herausgewachsen sind – für kleine reicht es allemal!

Was war das Beste an der großen Schule? Die große Pause natürlich!

Früher oder später sind wir alle aus der Schulzeit rausgewachsen – und irgendwie haben wir damit auch die große Pause verloren. Wir sind zu erwachsen, um herumzutollen, und überhaupt – für solchen Unsinn haben wir doch gar keine Zeit mehr. Dabei sind Pausen wichtig: Wir brauchen sie dringend, sie geben frische Energie und erlauben unseren Gedanken, neue Ideen zu spinnen.

Es muss ja nicht immer die große Pause sein. Zwischen meiner Ausbildung, der Vorbereitung auf das Staatsexamen und den vielen anderen kleinen Dingen, die sonst noch so zu erledigen sind, finde ich oft auch keine zwanzig Minuten. Aber fünf Minuten – die gehen immer! Die fallen meistens nicht einmal auf.

Ihr wisst aber nicht, was ihr in den fünf Minuten Pause dann überhaupt tun könntet? Weil sie zu kurz zum Joggen oder Kaffeetrinken sind? Ich habe da ein paar Ideen für euch. Zum Auspowern während eines langen Schreibtischtages, zum Runterkommen nach einem anstrengenden Meeting oder einfach, um dem Kopf eine kurze Pause zu gönnen.

Meine zehn Lieblingspausen:

  1. Fünf Minuten lang einfach den Himmel bewundern, die Wolkenformationen und das Farbenspiel genießen
  2. Schaukeln
  3. Wenn die Sonne scheint: die Sonnenstrahlen auf der Haut genießen
  4. Trampolin springen
  5. Lieblingsmusik laut aufdrehen und mitsingen!
  6. Lieblingsmusik laut aufdrehen und abspacken!
  7. Jonglieren
  8. Fünf Minuten lang einfach meinen Atem beobachten
  9. Kickern
  10. Vom nächsten Ausflug oder Urlaub träumen

Viel Spaß bei eurer nächsten kleinen Pause! 🙂

Wer mich auch mal hören und nicht nur lesen will…

… und die Sendung bei Deutschlandfunk Nova gestern verpasst hat, kann das jetzt im Podcast tun. Ich erzähle ein bisschen von mir, dem Burnout und der Psychiatrie. Viel Spaß beim Zuhören 🙂

Zum DLF Nova Podcast

Zum ersten Mal

Am Heiligen Abend war in diesem Jahr meine Oma zu Besuch. Meine Oma ist mittlerweile stolze 93 Jahre alt. Wie jedes Jahr stellten wir uns vor der Bescherung zum klassischen Familienfoto auf. Erst mit Oma, dann mit Tante, dann nur wir Schwestern – schließlich drückte ich meiner Oma die Kamera in die Hand. „Oma, kannst du bitte noch ein Foto von uns machen?“ „Ich?! Ich habe in meinem ganzen Leben noch kein Foto gemacht!“

Wir anderen waren alle ziemlich erstaunt. Auf die Idee, dass unsere Oma noch nie selbst ein Foto gemacht haben könnte, wären wir nie gekommen. Ich erklärte ihr, auf was sie achten muss und welcher Knopf der Auslöser war – und dann schoss meine Oma mit 93 Jahren ihr allererstes Foto. Sie war riesig stolz drauf.

Es ist nie zu spät, irgendwas zum ersten Mal zu machen. Und es ist auch nie zu spät damit anzufangen, etwas anders zu machen als die 93 Jahre zuvor.

Wir alle waren ziemlich gerührt. Und ich begann, darüber nachzudenken, welche Dinge ich in diesem Jahr zum ersten Mal gemacht habe. Die Liste ist – wenn man so darüber nachdenkt – tatsächlich ziemlich lang.

Ich habe mich zum ersten Mal getraut einen Doppelsalto zu springen.

Ich war zum ersten Mal Pilgern.

Ich habe zum ersten Mal mit psychiatrischen Patienten gearbeitet.

Zum ersten Mal erschienen meine Texte auf der Stern-Startseite. 

Ich habe zum ersten Mal Fußball gespielt.

Ich habe zum ersten Mal Schupfnudeln selbst gemacht. 

Den Rest behalte ich für mich und ich glaube, ich muss auch noch ein paar Nächte über diese Liste schlafen  – mir fällt bestimmt nicht alles auf Anhieb ein. Mein Vorsatz für’s nächste Jahr: Dabei zu bleiben, Dinge zum ersten Mal zu machen.

 

Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.

Henry Ford

 

MBSR-Kurs, Tag 3

Was sind eigentlich Grenzen? Und wo sind Grenzen? Tun sie mir gut? Oder engen sie mich ein?

Nach zwei Wochen habe ich es langsam geschafft, den vielen MBSR-Hausaufgaben Raum in meinem Alltag zu schaffen. Body-Scan, Achtsamkeitsyoga, viele kleine Aufgaben – das braucht Raum. Aber ich selbst brauche eben Raum in meinem Leben, so einfach ist das. Es war sogar erstaunlich einfach, Platz für all diese neuen, manchmal wirklich zeitintensiven Aufgaben zu finden. Ich bin nach zwei Wochen im Kurs angekommen, würde ich sagen.

In der dritten Kursstunde beschäftigten wir uns mit Grenzen – in der Realität, im Kopf, mit Grenzen, die unsere Bedürfnisse beschützen und mit Grenzen, die uns einengen.

Der erste Typ Grenzen – das sind vor allen Dingen die, die wir gerne mal überschreiten. Ich bin zwar eigentlich hundemüde, aber noch ein Bier trinken gehen oder unbedingt Staubsaugen? Klar. Ich will eigentlich nicht vom Chef mit meinem Spitznamen gerufen werden, aber deswegen ein Fass aufmachen? Nein, lieber die Grenzüberschreitung dulden. Mit diesen Grenzen habe ich mich viel, viel weiter oben im Text schon einmal beschäftigt: Grenzen setzen

Zum zweiten Typ Grenzen will ich gar nicht viele Worte verlieren. Lieber möchte ich euch einen kleines Gedicht mit auf den Weg geben, dass ich mir selbst gern ins Gedächtnis rufe, wenn ich auf Grenzen stoße:

There is freedom waiting for you,
On the breezes of the sky,
And you ask „What if I fall?“
Oh but my darling,
What if you fly?
― Erin Hanson

Grenzen existieren nicht nur auf Landkarten, sondern vor allen Dingen in unseren Köpfen und haben vielerlei Gestalt. Ist die Kante des Sprungturms im Bild oben für euch eine Grenze? Oder ist sie vielmehr ein Sprungbrett in Richtung Horizont?

Macht euch auf die Suche nach euren eigenen Grenzen. Wenn ihr sie gefunden habt, beobachtet und hinterfragt sie: beschützen oder begrenzen sie euch? Die, die euch begrenzen, lasst los, werft sie vom Sprungturm, mit Anlauf! Aber die, die euch beschützen, achtet sorgsam.

MBSR-Kurs, Tag 2

Alles eine Frage der Perspektive!

Ist die Welt wirklich so, wie ich sie sehe?

Diese Frage habe ich mir vor meinem Burnout nie gestellt. Natürlich war die Welt so, wie ich sie sah, sie war ja schließlich da. Die Blumen gelb, der Himmel blau, die Berge hoch und das Meer weit. Außerdem: Was ich fühlte, war wahr. Und wenn mich jemand beleidigt hatte, dann hatte mich jemand beleidigt. Wenn ich aus einer Situation keinen Ausweg mehr sah, gab es keinen Ausweg.

Aber wie viele Jahrtausende haben die Menschen auch geglaubt, die Erde sei das Zentrum des Sonnensystems? Dabei dreht sie sich doch!

Die zweite Einheit des MBSR-Kurses hat mir eines meiner großen „Learnings“ meiner Burnout-Therapie wieder deutlicher in Erinnerung gerufen: Dreht sich die Welt um mich? Oder drehe ich mich um die Welt? Ist die Kassiererin wirklich unhöflich zu mir gewesen? Oder hat sie einfach einen schlechten Tag und ihre Laune gar nichts mit mir zu tun? Nur weil ich erwartet habe, dass die anderen von sich aus anbieten, abzuspülen, heißt das ja nicht, dass die anderen sich je dazu verpflichtet gefühlt hatten. Ich habe ja schließlich freiwillig angeboten, für alle zu kochen.

Alles eine Frage der Perspektive

Alles eine Frage der Perspektive: Ist das Schiff im Fjord wirklich so winzig, wie es gerade wirkt?

Ich sehe die Welt so wie ich gelernt habe, sie zu sehen. Wie denn auch sonst, ich kenne und kann es gar nicht anders. Es wird auch immer so sein, dass ich die Welt sehe, wie ich bin. Wer kennt das denn nicht? Bin ich gestresst, müde und schlecht gelaunt fallen mir die schönen Dinge weniger auf, dafür fällt alles Negative viel mehr ins Gewicht. Aber wie schön kann dann die haargenaue gleiche Welt plötzlich sein, nur weil ich verliebt bin?

Ich kann nicht verhindern, dass ich die Welt sehe, wie ich bin. Aber ich kann daran arbeiten, mir genau das immer wieder bewusst zu machen und meinen Blickwinkel zu erweitern, meinen Autopiloten mal ausschalten.

Wenn ich daneben stehe, ist ein Kreuzfahrtschiff unendlich riesig. Von oben, vom Fjord aus betrachtet, recht winzig. Was ist nun wahr? Beides – es ist nur eine Frage der Perspektive.