Was ist eigentlich Resilienz?

Allheilmittel + letztes Stadium der Selbstoptimierung? Oder eher ein kompliziertes Zusammenspiel verschiedenster Faktoren, die eine Persönlichkeit ausmachen?

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Im Januar schon, ein paar Tage her, hörte ich durch Zufall einen Vortrag zum Thema Stressmanagement von Dr. med. Barbara Hochstrasser, Präsidentin des Schweizer Expertennetzwerk für Burnout, in Stuttgart. Erst dachte ich, oh no, nicht schon wieder. Dann ging es mir ziemlich nah, ich überlegte den Raum zu verlassen. Und dann blieb ich doch sitzen. Denn mir erschien ihr Ansatz ganzheitlicher als alles, was ich bisher so gehört und gelernt hatte. Und vor allem dröselte sie diese ominöse „Resilienz“ in ihre Bestandteile auf. Was bedeutet Resilienz? Welche Faktoren beeinflussen sie? Und ganz wichtig: An welchen kann ich arbeiten?

Resilienz stammt vom lateinischen „resilire – zurückspringen, abprallen“ ab und ist laut Duden die „Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“, eine „psychische Widerstandskraft“ also. So weit, so gut. Aber was ist Resilienz denn nun konkret?

Analog zu Prof. Dr. Gert Kaluza nennt Frau Dr. Hochstrasser mehr als zehn Faktoren, die die individuelle Resilienz beeinflussen:

  • Optimismus
  • Selbstwirksamkeit und Selbstvertrauen
  • Mitgefühl und Menschlichkeit
  • Heiterkeit und Humor
  • Akzeptanz und Gelassenheit
  • Sinn, Glaube und Spiritualität
  • Selbstfürsorge
  • Dankbarkeit
  • Mut
  • Beziehungen und soziale Netzwerke
  • Stress-Impfung, „Flow“, Achtsamkeit und Meditation

Vieles davon ist logisch, manches hatte ich in vorangegangenen Texten bereits aufgegriffen. Einige Punkte davon möchte ich mir in den nächsten Tagen / Wochen gesondert vornehmen.

Resilienz ist aber kein neues, schickes Element der Fähigkeiten-Gruppe „Soft Skills“, die man bitteschön perfektionieren möchte, um beruflich und privat erfolgreicher zu ein, das außerdem zu einer tollen Figur, besseren Freunde und einem strahlenderen Teint führt. Resilienz ist nicht einfach nur ein To-Do mehr auf dem Weg zur Perfektion und der Lösung allen Übels, wie es in den Medien derzeit oft scheint. Vielmehr steht dahinter eine ganze Lebenseinstellung, die – natürlich – von unserer Sozialisation und Umwelt bedingt wird. Nicht vorenthalten möchte ich euch deshalb dieses Zitat aus einem Interview mit Prof. Dr. Gert Kaluza auf psyche-und-arbeit.de:

„Im übrigen habe ich den Eindruck, dass der Resilienzbegriff in dem aktuellen Hype zu sehr auf individuelle Resilienz verkürzt wird […] Gesellschaftliche und soziale Bedingungen, die die Entwicklung individueller Resilienz überhaupt erst möglich machen, wie sie von Pionieren der Resilienzforschung wie Emmy Werner und Aaron Antonovsky beschrieben worden sind, kommen kaum noch vor. Resilienz wird so zu einer weiteren Selbstoptimierungsaufgabe des Individuums.

 

 

 

 

2 Kommentare zu „Was ist eigentlich Resilienz?“

    1. Hi Julia, danke dir! Vielleicht komme ich demnächst irgendwann auch tatsächlich mal dazu, mich genauer mit den einzelnen Punkten zu beschäftigen..aber es ist schon wieder Prüfungszeit, ich glaub, das dauert noch ein wenig 😦

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