Alte Fehler neu gemacht.

Das Schöne an einem Neuanfang? Man kann alte Fehler ganz von vorn beginnen.

Es ist wieder Frühling. Ich bin wieder in München. Übers Wochenende zumindest.

Die erste Prüfungsphase ist geschafft, Probezeit bestanden. Der Neuanfang ist vorbei, er ist mittlerweile Alltag. Ein guter, schöner Alltag, meistens entspannt, mit tollen Menschen um mich herum.

Ich habe einen weiteren Meilenstein hinter mir gelassen, ich bin definitiv wieder im echten Leben angekommen. Als ich im Oktober mit der neuen Ausbildung begonnen habe, hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. War es richtig, mich auf mein Bauchgefühl zu verlassen? Neue Stadt, neue berufliche Ausrichtung, neue Wohnung, neu, neu, neu? Bin ich überhaupt schon fit genug für neu, neu, neu?

Im Sommer ging es mir besser als in den vergangenen vier, fünf Jahren zuvor. Über ein Jahr Therapie hatte ich schließlich hinter mir. Ich war ziemlich gut „durchtherapiert“, die letzten Sitzungen bei der Therapeutin waren eher überflüssig. Das Rezept lief passend zum Umzug auch aus. Das war völlig ok, schließlich lief wieder alles, selbst unter Belastung, Rio, Praktikum, endlich auch wieder feiern und weggehen. Läuft. Eines habe ich jedoch nicht bedacht:

Das Schöne an einem Neuanfang? Man kann alte Fehler wieder von ganz vorne beginnen.

Ich war vielleicht fast schon „austherapiert“. Aber ich hatte durch die Krankschreibung auch mehr als ein Jahr Auszeit gehabt. Ich konnte beinahe allen kritischen Situationen aus dem Weg gehen, ich „musste“ knappe eineinhalb Jahre so gut wie gar nichts, es gab kaum Konfrontationen. Zusätzlich verbringe ich meine Tage nun auf dem Gelände einer Psychiatrie. Ich beschäftige mich immer wieder mit Entspannungstherapie. Mit Stresssymptomen. Mit psychischen Krankheitsbildern. Ich habe meine Zeit in der Psychiatrie immer vor Augen.

Ich muss, zurück in einem normalen Leben, unglaublich aufpassen, nicht unbemerkt wieder in alte Muster zu verfallen. Nicht schon wieder alles auf einmal machen. Alles gleichzeitig schaffen und zwar zu hundert Prozent.

Immerhin: Es fiel mir auf.

Mehr als einmal habe ich mir vorgenommen, einen neuen Therapeuten zu suchen. Mehr als einmal habe ich mich tatsächlich auch um einen bemüht. Aber: Außerhalb der Großstadt ist es noch viel schwieriger als in München, (überhaupt) einen Therapeuten zu finden.

Mit vorsichtig sein, immer wieder neu an Grenzen herantasten und ganz viel auf mich selbst hören, auf Körper, Kopf und Bauch und vor allen Dingen dank guter Freunde und den besten Mitbewohnerinnen habe ich es hinbekommen. Aber leichter wäre es definitiv mit einem guten Therapeuten an meiner Seite gewesen.

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