Ein neuer Plan

Überhaupt, so eine verrückte Sache. Vielleicht hat ja auch meine Therapeutin Recht. Vielleicht laufe ich davon. Vielleicht habe ich tatsächlich nur Angst vor der Arbeit. Vor meinem Chef. Vor meinem Arbeitgeber. Und muss das genauso wie meine Angst vor Umkleidekabinen aktiv bekämpfen?

Dass ich, Stand heute, nicht fit genug bin, um in den nächsten Wochen wieder zu arbeiten, steht außer Frage. Aber dann wäre eine Eingliederung vielleicht tatsächlich nicht so dumm. Sechs Wochen, um zu sehen, ob ich wieder voll belastbar bin. Sechs Wochen, um einen vernünftigen Abschied zu nehmen und nicht einfach so zu verschwinden. Sechs Wochen, um mir (und auch allen anderen zu zeigen), dass ich es (wieder) kann. Sechs Wochen und dann könnte ich ja immer noch kündigen.

Ich rechnete mir aus, wie viele Urlaubstage ich hatte. Die verfallen ja nicht, und ich baue mit jedem Monat, ganz genau so, als würde ich arbeiten, zwei weitere auf. Vielleicht wäre es tatsächlich gar keine so dumme Idee: Sechs Wochen Eingliederung, um zu sehen, ob ich fit bin. Dann kündigen. Und eben dann erst Weltreise. Oder so.

Ich telefonierte mit der Ärztin, die mich zu Hause betreut hatte. Schilderte ihr die Situation, dass die Klinik eben wollte, dass ich direkt wieder zu arbeiten begänne, ich mich aber nicht in der Lage sähe. Ich wollte eine zweite Meinung und wissen, ob sie gegebenenfalls ebenfalls eine Eingliederung betreuen könnte. Ja, natürlich könne sie das. Wichtig wäre es aber erstmal, wieder außerhalb der „Käseglocke Klinik“, in der ich mich seit nun über zehn Wochen befand, Fuß zu fassen, im eigenen Leben wieder anzukommen.

Langsam nahm ein neuer Plan in meinem Kopf Form an: Mitte November werde ich entlassen. Sechs Wochen lang wollte ich mir dann Zeit geben, wieder zu Hause anzukommen, und all das, was ich in der Arbeit wieder können musste, also z.B. Reisen und Feiern, testen. Und dann ab 1. Januar mit der Eingliederung beginnen. Die würde bis Mitte Februar dauern, ich könnte anschließend kündigen und dann wollte ich mir ab etwa April bis mindestens August eine Pause gönnen.

3 Kommentare zu „Ein neuer Plan“

  1. Also ich muss jetzt mal ganz blöd nachfragen, weil ich mir immer etwas unsicher bin, was Deine Texte betrifft.
    Sind das nachträgliche Aufzeichnungen von 2015 oder sind die Beiträge aktuell aus diesem Jahr?

    Liken

    1. Ich habe vergangenes Jahr angefangen zu bloggen, als ich bereits in der Psychiatrie war. Dann ist allerdings so viel passiert, und vor allem sehr oft so viel gleichzeitig, dass ich mit dem Schreiben gar nicht mehr hinterhergekommen bin.
      Mittlerweile ist es für mich eher Aufarbeitung des vergangenen letzten Jahres. Es sitzt alles noch tief, und auch wenn’s mir gut geht, ist alles noch sehr präsent. Außerdem hätte ich manche Dinge, z.B. gerade die Themen rund um die Eingliederung, gar nicht aktuell schreiben können. Jetzt habe ich den Abstand, einen Neuanfang gewagt und bin somit auch viel freier…
      

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