Ich kann noch nicht!

Eigentlich wollte ich mich heute Abend mit dem Kollegen treffen, mit dem ich am engsten zusammenarbeitete. Aber das konnte ich knicken. Ich würde heute sicher nicht nach München fahren. Es tat mir leid, ich hätte ihn gerne gesehen. Aber es half nichts.

Warum wir uns treffen wollten? Zum einen verstanden wir uns einfach gut, zum anderen, wenn ich schon über eine Wiedereingliederung nachdenken musste, dann musste ich mir ja auch einen Bild vom aktuellen Stand der Dinge machen. Ich hatte in der Zwischenzeit einen neuen Chef bekommen, den ich nicht kannte, zum Beispiel.

Aber eigentlich konnte mir das egal sein, denn ich wollte und konnte keine Eingliederung in den nächsten vier Wochen machen. Es ging nicht. Ich begann, mir die Gründe aufzuschreiben. Eine Argumentation für die nächste Einzeltherapie aufzubauen. Strategisch.

  1. Es hat vier Monate gedauert, um auf ca. 50% zu kommen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich in den nächsten fünf Wochen die restlichen 50% schaffe!
  2. Alle meine Kollegen und Chefs sagen mir, ich solle erst wieder kommen, wenn ich bei 100% bin. Was hat denn die Krankenkasse davon, wenn ich im März wieder liege?
  3. Zu meinem Job gehören auch Abendveranstaltungen bis nach Mitternacht, Reisen, Wochenenddienste. Ich will das alles erst ohne Druck privat testen, bevor ich bei solchen Dingen unter Druck im Job funktionieren muss!
  4. Sie sagen mir seit Wochen, ich soll mir keinen Druck machen. Den Druck machen Sie aber gerade mir!
  5. Das Gespräch mit meinem Chef muss mindestens eine Woche vor einer Wiedereingliederung stattfinden. Dazu brauche ich aber einen Psychologen, der mich kennt und entsprechend unterstützen kann. Den habe ich für die Zeit nach der Klinik noch nicht und der ist auch im jetzigen Zeitrahmen nicht gegeben!
  6. Mein Leben soll erst wieder einen normalen Rahmen bekommen, bevor ich beginne, zu arbeiten. Also mindestens zwei Wochen!!
  7. Somatische Symptome wie Herzstechen, unbegründete Engegefühle im Brust-/Halsbereich und Verspannung nehmen gerade wieder stark zu! Außerdem habe ich sogar zusätzlich noch zu beißen begonnen!

Langsam begann ich den Verdacht zu hegen, dass es ihr mehr auf die Klinikstatistik ankam als auf mich.

 

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