1:0 für mich!

Am Dienstagnachmittag war wieder Depressionsgruppe. Nachdem wir in der letzten Woche die Auslöser einer Depression besprochen hatten, kamen wir diese Woche die Symptome an die Reihe.

Man gliedert sie in vier Bereiche: Verhalten, Gefühle, Gedanken und körperliche Symptome.

Wie viele Symptome, meint ihr, hat eine Depression?

Wir sammelten, gemeinsam in der Gruppe, fast dreißig:

Verlust der Tagesstruktur. Passivität. Zynismus. Rückzug. Abwehr. Verlangsamung. Interessensveränderung. Antriebslosigkeit. Einsamkeitsgefühl. Aggressivität. Angst. Gefühlskälte und innere Leere. Trauer. Aufbau eines emotionalen Panzers. Überreizung. Appetitlosigkeit. Verlust des Selbstwertgefühls bzw. eigene Abwertung. Konzentrationsschwäche. Gedankenkarussell. Entscheidungs-/Entschlussunfähigkeit. Negativität. Schlaflosigkeit bzw. Schlafstörungen. Alpträume. Müdigkeit. Schmerzen. Schreckhaftigkeit. Kraftlosigkeit. Appetitstörung.*

Ich betrachtete die Tafel nochmal. Ich betrachtete meine Mitschrift.

Ich hatte jedes einzelne dieser verdammten Symptome. Jedes. Einzelne.

Ich hörte an, was die anderen zu den einzelnen Symptomen zu sagen hatten. Ich konnte es kaum fassen. War ich der einzige Depp, der wirklich jedes einzelne Symptom gehabt hatte? Dann hielt ich inne. Lächelte. Der jedes einzelne Symptom gehabt hatte. Hatte. Vergangenheit! Ich hatte mir das letzte Woche nicht eingebildet. Ich hatte die Abwärtsspirale also wirklich gestoppt.

Dann zeichnete die Psychologin eine Abwärtsspirale an die Tafel. Man kann sich die Entwicklung einer Depression als Spirale vorstellen, sagte sie. Da musste ich grinsen. Hatte ich tatsächlich intuitiv die richtige Wortwahl getroffen, als ich sagte, ich hätte das Gefühl, die Abwärtsspirale sei nun gestoppt. Die Abwärtsspirale, fuhr die Psychologin fort, beginnt in der Regel mit einer großen Belastung, greift dann auf die Gefühle über, dann die Gedanken, schließlich auf den Körper und zuletzt unser Verhalten. Die Spirale wird naturgemäß nach unten hin immer schneller und immer schwieriger zu stoppen. Der Weg nach oben ist sehr viel schwieriger und dauert sehr viel länger. Stellen sie sich ein Treppenhaus vor. Nach oben zu laufen ist sehr viel mühsamer als nach unten!

Sie malte eine Aufwärtsspirale an die Tafel. Und sprach weiter. Ich betrachtete nochmal ihre Spirale und malte auch eine Aufwärtsspirale in meinen Kalender, der gerade als Notizbuch dienen musste.

Eine Art Triumphgefühl ergriff mich. „Hatte“! Ich war schon wieder auf dem Weg nach oben. Vielleicht stand ich erst auf der untersten Treppenstufe. Aber die Talsohle hatte ich schon wieder verlassen. Es geht wieder aufwärts! 1:0 für mich, liebe Depression!

 

*ohne Anspruch auf Vollständigkeit!

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3 Kommentare zu „1:0 für mich!“

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