Maßloser Ärger

Es war mittlerweile Ende Juli, ich war seit drei Wochen krankgeschrieben. So langsam aber sicher merkte ich, wie ich körperlich wieder fitter wurde. Die Eisen- und Vitamin-D-Tabletten, die ich jeden Tag nahm, begannen wohl zu wirken. Besser ging es mir aber ansonsten nicht. Die Erschöpfungsdepression hatte mich im Griff.

Ich ärgerte mich maßlos. Und zwar über mich selbst. Dass ich es soweit hatte kommen lassen. Warum hatte ich nicht einfach gekündigt? Alles hingeschmissen und einfach auf die langersehnte Weltreise hinausgezogen? Ich war ja nicht erst seit zwei Wochen unzufrieden gewesen.

Natürlich war mir klar, warum ich das nicht gemacht hatte. Ich war sehr glücklich in meiner Beziehung, und wollte sie um nichts in der Welt riskieren; ich hatte eigentlich gar kein Geld für eine Weltreise und außerdem schmeißt man, da, wo ich herkomme, nicht einfach so seinen Job hin, wenn man noch nichts besseres (!) hat. Das würde einer Niederlage gleichkommen. Und der bessere Job war gar nicht so leicht zu finden. Es war ja lange Zeit mein Traumjob gewesen, perfekt für mich, mit den besten Kollegen und guten Chefs. Auch wenn mir klar war, dass ich jede Entscheidung zu jeder Zeit wieder so treffen würde: Ich ärgerte mich maßlos über mich selbst. Und das nicht nur einmal. Sondern tagelang.

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Ein Gedanke zu „Maßloser Ärger“

  1. Einen besseren Job. Was heißt das schon? Hauptsache die Außenwirkung stimmt. Besser, höher, schneller, weiter…. Und das Rad dreht und dreht sich weiter und setzt uns immer mehr unter Druck. Wird man glücklicher durch mehr Erfolg? Ich glaube nicht! Wenn man die eigene Mitte wieder gefunden hat und dauerhaft behält, ist das mehr, als man durch beruflichen Erfolg erreichen kann.

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